Das Geheimnis der Röhre Edle Röhrentechnik bringt überzeugenden Analogsound ins Studio, das ist mittlerweile jedem klar. Blickt man weiter ins Detail, kommen aber schnell Aberglaube und Voodoo an die Oberfläche. Beispielsweise von der "schnelleren" Impulswiedergabe der Röhren ist oft die Rede, während jeder Nachrichtentechniker schon im ersten Semester gelernt hat, dass obere Grenzfrequenz und Flankenanstiegsgeschwindigkeit zwingend miteinander im Zusammenhang stehen. Und gerade Halbleiter konnten große Erfolge in der Hochfrequenztechnik erlangen. Was die Röhre auszeichnet, ist vielmehr ihr Obertonverhalten im Grenzbereich der Aussteuerung. Während Halbleiter hier schnell hässlich klingen, überzeugt die Röhre durch ihren warmen, seidigen Klang. Die bloße Simulation dieses Obertonspektrums führt jedoch nicht zu überzeugenden Ergebnissen, wie vielfältige digitale Simulationsversuche zeigen. Bei einem realen Röhrengerät ergeben sich Wechselwirkungen zwischen den Bauteilen, die in der Simulation nicht einfach unterschlagen werden dürfen. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben auch die Übertrager, die in klassischen Röhrenschaltungen zum Einsatz kommen. Eine digitale Simulation müsste folglich alle diese Wechselwirkungen als physikalisches Modell simulieren. Da es sich hierbei zumeist um ursprünglich unerwünschte Erscheinungen handelt, sind jedoch noch längst nicht alle klangprägenden Bestandteile dieser Wechselwirkung hinlänglich erforscht, so dass ein reales Röhrengerät die bessere Wahl darstellt. Röhrengeräte für die Studiotechnik Reine Röhrenschaltungen weisen im Vergleich zu Transistorschaltungen neben dem gewünschten, warmen Klang aber oft weitere unerwünschte Eigenschaften wie beispielsweise ein höheres Grundrauschen auf. Puristen lösen solche Probleme durch aufwendiges Schaltungsdesign und teuerste Bauteile, die den Preis eines entsprechenden Gerätes leicht in Bereiche von 5000.- EURO und mehr treiben. Ein anderer Lösungsansatz besteht in der Hybrid-Technik. Hier werden die Transformatoren zwischen den Röhrenstufen durch Halbleitertechnik ersetzt, mit der sich die Probleme wesentlich einfacher und kostengünstiger in den Griff bekommen lassen. Die Kompressorfunktionen können ebenfalls durch Halbleiter-VCAs realisiert werden, so dass sich eine gemischte Schaltung ergibt, die ihre Funktionalität durch Halbleiter und ihren Sound durch Röhren bezieht. Da manche Hersteller dabei so weit gehen, dass ihre Geräte reine Halbleiterschaltungen mit nachgeschaltetem Klirrgenerator in Form einer Röhre sind, reagiert die Fachwelt auf Hybridschaltungen oft skeptisch. In höherwertigen Hybridkonzepten werden die Halbleiter dagegen nur als Impedanzwandler, zwischen den Röhrenstufen und im Regelkreis des Kompressors eingesetzt. Die Spannungsverstärkung und die Signalverarbeitung erfolgen jedoch ausschließlich in den Röhren. Neues Konzept bei MindPrint Der EN-VOICE und auch der T-COMP von Mindprint ist keinem dieser beiden bisher bekannten Hybridkonzepte zuzuordnen. Als VCA kommt eine integrierte Schaltung von THAT zum Einsatz, die auch aus anderen hochwertigen, typischen Halbleiter-Kompressoren bekannt ist. Dennoch ist die Röhre nicht nur als Klirrfaktor-Lieferant nachgeschaltet, sondern wurde voll in das Kompressorkonzept integriert. Möglich wird dies durch eine kompressionsabhängige Nachführung der Röhren-Parameter und die schaltungstechnische Platzierung der Röhre in engster Verzahnung mit dem VCA, wodurch auch die oben beschriebenen Wechselwirkungen nicht unter den Tisch fallen. Das Resultat ist ein Kompressor, der die typische Präzision des Halbleiterkonzepts mit dem für reine Röhrengeräte charakteristischen Klangverhalten kombiniert. Bei den Röhren vom Typ 12AX7A handelt es sich um Trioden, die aufgrund ihrer positiven Eigenschaften auch in vielen anderen Geräten zum Einsatz kommen. Dadurch ergibt sich zudem der positive Nebeneffekt, dass diese Röhren im Reparaturfall leicht zu beschaffen sind. |
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